Sportverletzungen
TV-Sender 3sat
Beim Waldlauf den Knöchel verstaucht oder auf dem Fußballplatz den Arm geprellt - schnell kann eine Verletzung den Freizeitspaß verderben.
Hilfe versprechen Sportlersalben, die re- zeptfrei erhältlich sind. 48 dieser Salben, Gele und Sprays zur Behandlung rheumatischer Beschwerden und Sport- verletzungen hat die Zeit- schrift Öko-Test untersuchen lassen. Dreimal ver- gaben die Prüfer die Bestnote "sehr gut".
Der in der Märzausgabe 2005 veröffentlichte Test führt sechs Mittel mit der Bewertung "gut" auf. 26 Präparate landeten mit "befriedigend" im Mittelfeld, neun bekamen die Einstufung "ausreichend". Schlusslichter sind jeweils zwei Produkte mit der Benotung "mangelhaft" und "ungenügend".
Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz
Insgesamt kommt der Test-Experte Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Pharmakologe am Biozentrum der Universität Frankfurt am Main, zu dem Schluss, "dass die Mehrzahl dieser Arzneimittel tatsächlich in der Lage ist, über die Haut in den Körper aufgenommen zu werden". Allerdings stelle sich die Frage, sagt er einschränkend, ob bei sogenannten tiefsitzenden Sportverletzungen, beispielsweise im Oberschenkel, "eine ausreichende Wirkstoffkonzentration erreicht werden kann".
Bei der Prüfung der unterschiedlichen und zum Teil umstrittenen Wirkstoffe war es das Ziel der Tester, den Nutzen gegen mögliche Nebenwirkungen abzuwägen. Wer Salben einsetzen will, sollte sich durch einen Arzt oder Apotheker beraten lassen, empfiehlt Schubert-Zsilavecz. Außerdem gelte es, auf eine kurzzeitige Anwendung zu achten, um unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu vermeiden: "Diese Wirkstoffe können, wenn sie langfristig angewendet werden, auch zu Magengeschwüren und Zwölffingerdarmgeschwüren führen."
Die meisten der getesteten Salben enthalten Wirkstoffe, die solche Nebenwirkungen auslösen können. Eine weitere bedenkliche Substanz ist Arnika. Was die wenigsten wissen: Der als Entzündungshemmer bekannte Stoff löst häufig Allergien aus. Einen Minuspunkt mussten sich auch Präparate anrechnen lassen, die Salicylsäure enthalten. Die Säure beeinträchtigt die Schutzfunktion der Haut; die Wirksamkeit ist umstritten.
Negativ bewertet wurden zudem der Wirkstoff des Cayenne-Pfeffers, Capsaicin, sowie eine Abwandlung davon, Nonivamid. Die Wirksamkeit dieser Stoffe bei Sportverletzungen ist nur teilweise belegt - denn es gibt hierzu hauptsächlich Studien zu Rheuma. Außerdem schnitten Polyethylenglycole (PEG) im Test schlecht ab. Sie machen die Haut durchlässig für Arzneimittel. Dadurch können aber auch Schadstoffe eindringen. Positiv: Mehr als die Hälfte der Salben kommt ohne PEG aus.
Gute Besserung mit PECH
Wegen einer Verstauchung gehen die wenigsten Sportler zum Arzt - das ist auch nicht nötig, wenn man ein paar Grundregeln beachtet. Gute Orientierung bietet die "PECH"-Formel:
- Pause
Die sportliche Aktivität sofort unterbrechen. Bei fortgesetzter Belastung kann sich eine leichte Verletzung verschlimmern. - Eis
Dann so schnell wie möglich mit Eis kühlen: Der Stoffwechsel wird verringert, und der Schmerz lässt nach. Tipp von Sportmediziner Dr. Marco Gassen aus Wiesbaden: statt zu Eisspray zu Kältepackungen greifen, die man durch Knicken aktiviert und direkt auf die Verletzung auflegt. Zugleich ist es wichtig, in der akuten Phase nach einer Sportverletzung eine erhöhte Durchblutung zu vermeiden, wie Gassen betont: "Das heißt vor allem: keine wärmenden Salben. Besser sind Salben, die kühlen. Als Orientierung hilft: Salben mit Menthol oder Alkohol sind stark kühlend und können deshalb gut benutzt werden." - Compression
Ein Druckverband, englisch: compression, hilft, Schwellungen zu stoppen. Die Binde sollte elastisch sein, die untersten Lagen mit Eiswasser getränkt. - Hochlagern
Die verletzten Gliedmaßen hochlagern, und zwar über Herzhöhe: Das vermindert den Blutdruck und damit die Schwellung. Ist der Muskel verletzt, kann auch Wärme helfen. Dr. Gassen: "Wärmende Salben und Wärme sind gut bei einer Muskelverletzung. Bei Gelenkverdrehungen oder bei Verstauchungen sind sie nicht geeignet." Aber auch bei Muskelverletzungen sollten wärmende Salben "frühestens 48 Stunden" nach der Verletzung, zum Beispiel einer Muskelzerrung, angewendet werden, rät der Arzt. Dagegen können Sportlersalben, die weder kühlend noch wärmend wirken, jederzeit zum Einsatz kommen. Sie haben einen entzündungshemmenden und schmerzlindernden Effekt.


