Ellenbogen
Beschwerden am äußeren Ellenbogen entstehen oftmals aufgrund einer akuten oder chronischen Überlastung und werden verallgemeinert als „Tennisellen-bogen“ („Epicondylitis“) bezeichnet. In der täglichen Praxis ist Tennis jedoch nur selten die Ursache. Überwiegend sind angespanntes Arbeiten am PC (Maus), ungewohnte Arbeiten mit Drehungen der Hand oder langes Heben und Tragen die verursachenden Situationen. Bei chronischen Überlastungen ist manchmal kein auslösendes Ereignis mehr feststellbar. Typischerweise befindet sich ein ausgeprägter Druckschmerz über dem Ansatzbereich der Unterarmmuskulatur am Ellenbogengelenk; manchmal ist auch das Anstoßen des Armes an Gegenständen sehr schmerzhaft. Eine Schmerzausstrahlung in die Hände, eine Gefühlsminderung oder ein Kribbeln in den Fingern besteht aber zu meist nicht. Sollte dies der Fall sein, ist eine weitere Diagnostik erforderlich.
In einigen Fällen finden sich auch Funktionsstörungen der Hals- oder oberen Brustwirbelsäule als Ursache, aus diesem Grund führen wir immer eine überblickende Untersuchung der Halswirbelsäule durch.
Inhalte
- Weitere Diagnostik
- Behandlung bei akuten Schmerzen
- Behandlung bei chronischen Schmerzen
- Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
Weitere Diagnostik
Zur Untersuchung der Muskelspannung am Ellenbogengelenk erfolgt eine EMG-Untersuchung (Elektromyographie – ähnlich einem EKG).
In der Ultraschalldiagnostik kann zwischen einer Gelenkreizung, einer Entzündung oder einer Schleimbeutelerkrankung unterschieden werden. Bei Hinweis auf eine Bewegungseinschränkung oder Gelenkreizung ist eine Röntgenuntersuchung des Ellenbogengelenkes erforderlich, nur selten muss zusätzlich eine Schichtaufnahme (Kernspintomographie) durchgeführt werden.
Sehr wichtig ist die ärztlich-manualmedizinische Untersuchung der Halswirbelsäule, da oftmals durch Blockierungen oder Verspannungen der Halsmuskulatur eine vermehrte Spannung im Arm und damit eine Überlastung des Sehnenansatzes ausgelöst wird. Auch chronische Verspannungen der Nackenmuskulatur können zu den Beschwerden beitragen. Bei Gefühlsstörungen oder nächtlichem Kribbeln der Finger muss durch einen Neurologen eine Nervenreizung ausgeschlossen werden, gelegentlich ist auch eine spezielle Funktionsuntersuchung der Halswirbelsäule nötig. Bei Hinweisen auf eine Entzündung kann eine Blutuntersuchung erforderlich sein.
Behandlung bei akuten Schmerzen
In der akuten Phase sind Belastungen, die mit Schmerzen verbunden sind, zu vermeiden oder so weit als möglich zu reduzieren. In vielen Fällen haben sich lokale Eisbehandlungen, (am besten 3 – 10 x / täglich) z.B. mit Kühlpacks und anschließenden kurzen Massagen, bewährt. Salbenbehandlungen sind möglich, am ehesten helfen entzündungshemmende (z. B. Diclofenac) oder homöopathische Salben (z.B. Traumeel). Sollte sich die Symptomatik nach Entlastung, Kühlen und ggf. Salbenbehandlung nicht zügig von selbst zurückbilden, ist eine weitere spezifische Behandlung erforderlich. Je länger die Beschwerden bestehen, desto länger ist oft auch der Heilungsverlauf. Da Schmerzphasen von bis zu 2 Jahren entstehen können, empfiehlt sich der frühzeitige Beginn mit einer komplexen Behandlungsstrategie.
Behandlung bei chronischen Schmerzen
Bereits nach einem Zeitraum von 4 bis 6 Wochen muss man von einer chronischen Schmerzsymptomatik ausgehen. Die vor einigen Jahren noch übliche längere Ruhigstellung von 3 bis 4 Wochen im Oberarmgips wird heute nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt, da die Gefahr einer Rückbildung der Muskulatur zu groß ist. In unserer Praxis hat sich die zügige Behandlung mit einem integrativen Behandlungsschema bewährt. Dabei werden Therapien, die sich gegenseitig verstärken, angewandt, alternativ können 3 entzündungshemmende Injektionen (Corticoid) im Abstand von 10-14 Tagen durchgeführt werden (Gefahr: Sehnen- und Hautveränderungen).
Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
Ultraschallgesteuerte fokussierte Stoßwellenbehandlung
Therapeutische Stoßwellenbehandlung mit einem Gerät, wie es auch bei Nierensteinbehandlungen angewandt wird. Durch den hochenergetischen Impuls erfolgt eine sehr starke Aktivierung des Stoffwechsels und der Heilungsvorgänge. Zumeist sind 3 bis 5 Behandlungen in Abstand von 5-7 Tagen erforderlich. Zur besseren Lokalisation und zum Ausschluss von Einschränkungen erfolgt eine vorherige Ultraschallkontrolle.
Vorteil: kaum Nebenwirkungen, gute Verträglichkeit.
Homöopathie
Zur Besserung des Heilungsprozesses kann eine lokale Infiltration mit einem homöopathischen Mittel (Z.B. mit „Traumeel / Lymphomyosot“) durchgeführt werden. In der Regel sind 10 Injektionen im Abstand von 2-3 Tagen erforderlich.
Kinesio-Medi-Taping
Durch das Medi-(Kinesio-)Tape kann der Lymphabfluss, die Durchblutung und die Muskelentspannung gefördert werden.
PST - pulsierende Magnetfeldbehandlung
Mit einer pulsierenden Magnetfeldbehandlung kann eine Aktivierung des Stoffwechsels und des Heilungsprozesses erreicht werden.
Körper-, Ohr- und Laserakupunktur
Ergänzend kann eine Ohrakupunktur mit Dauernadel oder Körperakupunktur zur Aktivierung der körpereigenen Abwehr durchgeführt werden, dies ist besonders bei erhöhter Muskelspannung geeignet. Eine gezielte Stoffwechselaktivierung lässt sich mit der Laserakupunktur erreichen.
Osteopathie
Mit einer begleitenden Osteopathie (weitere Informationen unter www.praxis-gassen.de) können die Beweglichkeit und Spannung der Muskelhüllen, der Gelenkverbindungen und die funktionellen Zusammenhänge zur Halswirbelsäule und den inneren Organen untersucht und behandelt werden.
Physiotherapie / Krankengymnastik
Die physiotherapeutische Behandlung bildet die Basis der gesammten Therapie, neben Dehnungs- und Kräftigungsübungen kann ein spezielles Übungsprogramm zur Verbesserung des Bewegungsablaufes und Reduzierung von Muskelverkürzungen sowie zur Aktivierung der Sehnenreparatur erlernt werden. Eine spezielle Therapieempfehlung für die Physiotherapie kann mit den Untersuchungsergebnissen zusammengestellt werden.
Reizstrom /TENS-Theapie
Reizstromgeräte können die Durchblutung der Muskulatur aktivieren und die Entspannung unterstützen.
Selbstbehandlungen
Neben den Übungen, die Sie in der Physiotherapie erlernen, können Sie mit eigenen Behandlungen den Heilungsverlauf unterstützen. Unterstützend wirken regelmäßiges Kühlen, Massagen des Unterarmmuskels mit einem Igelball oder das Dehnen der Unterarmmuskulatur. Begleitend empfiehlt sich das "Aushängen" des Armes über Stretching, z.B. an einem Türrahmen oder einer Reckstange.
Entspannungsübungen und Arbeitsplatz
Bei höheren Stressbelastungen oder regelmäßigen Arbeiten am PC sollte eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung durch geführt werden.
Zusätzlich können Entspannungsübungen oder Techniken zur Stressbewältigung zu einer Entspannung der Ellenbogenmuskulatur beitragen.
Integratives Behandlungskonzept
Mit Behandlungen die sich gegenseitig verstärken (Synergiewirkung) kann der Behandlungserfolg wesentlich verbessert werden. Entsprechend der Unter- suchungsbefunde, der Schmerzausprägung und weiteren individuellen Vorgaben erstellen wir mit Ihnen zusammen aus den möglichen Therapien ein integratives Behandlungskonzept.
Weitere Informationen zu den einzelnen Therapieverfahren, zum Entspannungs- training oder Stressbewältigung erhalten Sie gerne in unserer Sprechstunde.
Praxis für Sportmedizin und Orthopädie
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